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OKR (Objectives and Key Results)

In schnelllebigen, unsicheren modernen Organisationen – wie können wir sicherstellen, dass alle Teammitglieder in dieselbe Richtung unterwegs sind und zusammenarbeiten? Traditionelle, top-down geleitete Leistungsbewertungen (KPIs) sind oft zu starr und führen leicht dazu, dass Mitarbeitende sich nur auf ihre Kennzahlen konzentrieren und das ultimative Ziel aus den Augen verlieren. OKR (Objectives and Key Results) ist ein mächtiges, agiles Zielmanagement-Framework, das entwickelt wurde, um diese Herausforderung zu adressieren. Es ist kein Werkzeug zur Leistungsbewertung, sondern ein kontinuierliches Kommunikations- und Ausrichtungsinstrument, das entwickelt wurde, um Denken zu vereinheitlichen, Prioritäten zu fokussieren, Zusammenarbeit zu fördern und Potenziale freizusetzen.

Die Kernidee von OKR besteht darin, die Energie der Organisation auf die wichtigsten Dinge zu konzentrieren. Durch das Setzen eines inspirierenden, qualitativen Ziels (Objective), ergänzt durch 2–5 quantifizierbare Schlüsselergebnisse (Key Results), die zur Messung des Zielerreichnungsgrades dienen, wird klar definiert: „Wohin wir wollen“ und „wie wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“. Es fördert Transparenz, Zusammenarbeit und bottom-up-Partizipation, sodass jedes Team und jede Einzelperson klar erkennen kann, wie ihre Arbeit zum großen Unternehmensziel beiträgt, und dadurch intrinsische Motivation entfacht.

Die zwei Bestandteile von OKR

Ein vollständiges OKR besteht aus zwei Teilen, die gemeinsam zwei Kernfragen beantworten.

  • Ziel (Objective): Beantwortet "Was wollen wir erreichen?"

    • Es sollte qualitativ, inspirierend, herausfordernd und zeitgebunden (gewöhnlich quartalsweise) sein.
    • Ein gutes Ziel sollte die Leidenschaft des Teams entfachen und eine klare Richtung weisen, statt nur eine kalte Zahl zu sein.
    • Beispiel: „Eine beeindruckende, disruptive neue Version des Produkts veröffentlichen, die Nutzer begeistert.“
  • Schlüsselergebnisse (Key Results): Beantwortet "Wie messen wir, ob wir das Ziel erreicht haben?"

    • Sie müssen quantitativ, messbar, herausfordernd und spezifische Ergebnisse sein – keine Aufgaben (Aktivitäten).
    • Jedes Ziel hat typischerweise 2–5 KRs. Wenn alle KRs leicht erreicht werden, bedeutet dies, dass das Ziel nicht ambitioniert genug war; wenn 70–80 % erreicht werden, gilt dies als erfolgreiche Herausforderung.
    • Beispiel: Für das obige Ziel könnten die KRs sein:
      • KR1: Den Net Promoter Score (NPS) der neuen Version von 40 auf 60 erhöhen.
      • KR2: Die Anzahl der täglichen aktiven Nutzer (DAU) der Kernfunktionen um 30 % steigern.
      • KR3: Die Bewertung des Apps durch Nutzer im App Store von 4,2 auf 4,8 Sterne erhöhen.

Kernunterschiede zwischen OKR und KPI

graph TD
    subgraph OKR vs. KPI
        A(<b>OKR - Objectives and Key Results</b>) --> A1(<b>Nature:</b> Navigation System (guides direction));
        A1 --> A2(<b>Purpose:</b> Focus priorities, promote collaboration, push limits);
        A2 --> A3(<b>Characteristics:</b><br/>- Often challenging, "stretch" goals<br/>- Transparent, public, bottom-up participation<br/>- <b>NOT directly linked to compensation/bonuses</b>);

        B(<b>KPI - Key Performance Indicator</b>) --> B1(<b>Nature:</b> Dashboard (monitors health));
        B1 --> B2(<b>Purpose:</b> Measure and evaluate performance of existing, mature businesses or roles);
        B2 --> B3(<b>Characteristics:</b><br/>- Often committed, "must-achieve" metrics<br/>- Usually top-down decomposition<br/>- <b>Often linked to performance appraisal and bonuses</b>);
    end

Wie man OKR implementiert

Die Umsetzung von OKR ist ein kontinuierlicher, rhythmischer Zyklus, der typischerweise quartalsweise erfolgt.

  1. Schritt Eins: Unternehmensweite OKRs festlegen Vor Beginn jedes Zyklus müssen die Führungskräfte gemeinsam 1–3 der wichtigsten und priorisierten OKRs auf Unternehmensebene basierend auf der Jahresstrategie festlegen. Diese OKRs definieren den Fokus für die gesamte Organisation im laufenden Quartal.

  2. Schritt Zwei: Team- und individuelle OKRs festlegen

    • Ausrichtung und Zusammenarbeit: Abteilungs- und Teamleiter müssen die unternehmensweiten OKRs verstehen und überlegen, wie ihr Team dazu beitragen kann. Danach organisieren sie die Teammitglieder, um gemeinsam die Team-OKRs festzulegen. Dies ist gewöhnlich keine einfache „Metrik-Aufteilung“, sondern eine „Ziel-Ausrichtung“.
    • Bottom-Up: Mitarbeitende sollen basierend auf ihrem Verständnis der Team-OKRs ihre individuellen OKRs setzen. Etwa 50–60 % der OKRs sollten aus der Basis kommen, was das Gefühl der Verantwortung und des Eigentums stark fördert.
  3. Schritt Drei: Kontinuierliches Tracking und regelmäßige Überprüfung

    • Wöchentliche Check-ins: Teams verwenden eine kleine Zeitspanne pro Woche, um den Fortschritt jedes Schlüsselergebnisses, auftretende Hindernisse und das Vertrauensniveau schnell zu synchronisieren. Dies ist keine Berichterstattung, sondern ein agiles Anpassungs- und Hilfesuchtreffen.
    • Zwischenprüfung: Zum Quartalsmittelpunkt wird eine formale Überprüfung durchgeführt, um zu beurteilen, ob der Fortschritt gut verläuft und ob die OKRs angepasst oder Kompromisse eingegangen werden müssen.
  4. Schritt Vier: Quartalsabschluss und Bewertung

    • Am Ende des Zyklus bewertet das Team die Erfüllung jedes Schlüsselergebnisses (gewöhnlich auf einer Skala von 0 bis 1,0). Der Schwerpunkt der Bewertung liegt nicht auf der Punktzahl selbst, sondern auf der Bewertungsdiskussion: Was haben wir gelernt? Was lief gut? Was könnte verbessert werden? Warum wurde ein bestimmtes Schlüsselergebnis nicht erreicht?
    • Abgeschlossene OKRs bedeuten nicht das Ende; die Ergebnisse und Erfahrungen werden zu wichtigen Inputs für das Setzen neuer OKRs im nächsten Quartal.

Anwendungsbeispiele

Beispiel 1: Marketing-Team eines Start-ups

  • Ziel: Erfolgreich in den ostchinesischen Markt eintreten und eine erste Markenpräsenz aufbauen.
  • Schlüsselergebnisse:
    • KR1: 10 Referenzkunden in Shanghai und Hangzhou gewinnen.
    • KR2: Mit drei regionalen Fachmedien eine intensive Berichterstattungspartnerschaft aufbauen.
    • KR3: Eine Online-Produktpräsentation mit über 200 Teilnehmern organisieren.

Beispiel 2: Ein Produktentwicklungsteam

  • Ziel: Die Nutzerbindung unserer App deutlich verbessern und dafür sorgen, dass Nutzer unser Produkt lieben.
  • Schlüsselergebnisse:
    • KR1: Die zweite-Woche-Retention-Rate neuer Nutzer von 20 % auf 35 % erhöhen.
    • KR2: Die drei am häufigsten gewünschten neuen Funktionen entwickeln und veröffentlichen.
    • KR3: Die Anzahl schwerwiegender Fehler, die von Nutzern gemeldet werden, um 50 % reduzieren.

Beispiel 3: Personalabteilung

  • Ziel: Eine Spitzenposition im Bereich Talentgewinnung erreichen und zu einer Arbeitgebermarke werden, bei der sich Bewerber bewerben möchten.
  • Schlüsselergebnisse:
    • KR1: Die durchschnittliche Rekrutierungszeit für Kern-IT-Positionen von 45 auf 30 Tage reduzieren.
    • KR2: Die Arbeitgeberbewertung auf führenden Stellenbörsen von 3,8 auf 4,5 Sterne erhöhen.
    • KR3: Ein internes Mitarbeiterempfehlungsprogramm erfolgreich implementieren, sodass Empfehlungen 40 % aller Neueinstellungen ausmachen.

Vorteile und Herausforderungen von OKR

Kernvorteile

  • Fokus und Ausrichtung: Konzentriert die gesamte Energie der Organisation auf einige wenige, wichtige Ziele und stellt sicher, dass alle in dieselbe Richtung arbeiten.
  • Erhöhte Transparenz und Zusammenarbeit: Alle Team-OKRs sind öffentlich und transparent, was das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen stark fördert.
  • Begeisterung für Ambitionen und Potenziale: Fördert das Setzen herausfordernder „Stretch“-Ziele und betrachtet Scheitern als Lerngelegenheit, wodurch Kreativität und Potenziale des Teams entfesselt werden.
  • Agilität und Anpassungsfähigkeit: Der schnelle Quartalszyklus ermöglicht es der Organisation, flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren.

Potenzielle Herausforderungen

  • Verwechslungsgefahr mit KPI: Wenn OKRs direkt als Werkzeug zur Leistungsbewertung eingesetzt und mit Boni verknüpft werden, gehen alle Vorteile verloren und Mitarbeitende scheuen sich, ambitionierte Ziele zu setzen.
  • Kulturelle Unterstützung erforderlich: Der Erfolg von OKR hängt stark von einer offenen, vertrauensvollen Managementkultur ab, die Experimentieren fördert.
  • Schwierigkeit bei der Formulierung hochwertiger OKRs: Das Formulieren von OKRs, die sowohl inspirierend als auch messbar sind, erfordert viel Nachdenken und Übung. Besonders wichtig ist es, zwischen „Schlüsselergebnissen“ und „Aktivitäten“ zu unterscheiden.

Erweiterungen und Verknüpfungen

  • SMART-Prinzip: Ist der Goldstandard, dem bei der Formulierung guter „Schlüsselergebnisse“ gefolgt werden muss. Ein KR muss spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und zeitgebunden sein.
  • KPI (Key Performance Indicator): OKR und KPI schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern können sich ergänzen. KPIs können genutzt werden, um reguläre „Business-Dashboard“-Kennzahlen zu überwachen, die auf einem gesunden Niveau gehalten werden müssen (z. B. Serververfügbarkeit, Antwortzeit des Kundendienstes), während OKRs Richtungen leiten, die Innovation und Durchbrüche erfordern.

Referenz: OKR wurde erstmals von Andy Grove, dem legendären CEO von Intel, vorgeschlagen und später von John Doerr, einem frühen Investor bei Google, bei Google eingeführt und popularisiert. John Doerrs Buch „Measure What Matters“ ist die zentrale und autoritativste Literatur zur Förderung und Popularisierung von OKR.