Fischgrätdiagramm (Ishikawa-Diagramm) Analyse-Tutorial¶
1. Was ist ein Fischgrätdiagramm?¶
Das Fischgrätdiagramm, auch bekannt als Ishikawa-Diagramm oder Ursache-Wirkungs-Diagramm, ist ein klassisches Analysewerkzeug, das verwendet wird, um systematisch mehrere mögliche Ursachen zu identifizieren, zu organisieren und darzustellen, die zu einem spezifischen Problem (Wirkung) führen können.
Es wurde von Dr. Kaoru Ishikawa, einem japanischen Qualitätsmanagement-Experten, in den 1960er Jahren entwickelt und erhielt seinen Namen aufgrund der Ähnlichkeit mit einem Fischskelett. Der Fischkopf repräsentiert die „Wirkung“ (das Problem), während die Gräten die verschiedenen „Ursachen“ darstellen, die zu dieser Wirkung führen.
2. Warum ein Fischgrätdiagramm verwenden?¶
Der Hauptwert eines Fischgrätdiagramms liegt in:
- Strukturiertes Denken: Es bietet ein klares Gerüst, das Teams dabei hilft, systematisch über alle möglichen Ursachen eines Problems aus verschiedenen Perspektiven nachzudenken.
- Visuelle Analyse: Es stellt komplexe Ursache-Wirkungs-Beziehungen auf intuitive Weise grafisch dar und erleichtert dadurch das Verständnis und die Diskussion innerhalb des Teams.
- Förderung der Teamarbeit: Es ist besonders geeignet für Brainstorming-Sitzungen und kann den kollektiven Wissensschatz des Teams nutzen, um Ursachen aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufzudecken.
- Identifizierung von Wurzelursachen: Durch die weitere Differenzierung der Hauptursachen kann es dem Team helfen, tiefer in die grundlegenden Ursachen des Problems einzudringen.
3. Aufbau eines Fischgrätdiagramms¶
Ein typisches Fischgrätdiagramm besteht aus den folgenden Kernbestandteilen:
- Kopf: Zeigt nach rechts und repräsentiert das Problem oder die Wirkung, die analysiert werden soll.
- Rückenflosse: Eine horizontale Hauptlinie, die vom Fischkopf nach links verläuft.
- Hauptgräten: Mehrere Hauptäste, die diagonal von der Rückenflosse abgehen und die Hauptursachenkategorien darstellen.
- Untergräten/Kleine Gräten: Kleinere Äste, die von den Hauptgräten ausgehen und die spezifischen Ursachen innerhalb jeder Kategorie darstellen.
Gängige Hauptursachen-Kategorien (Hauptgräten)¶
Die Einteilung der Hauptgräten kann je nach Analyseobjekt flexibel angepasst werden. Hier einige klassische Klassifizierungsmodelle:
-
Fertigung (6M-Modell):
- Manpower (Personal): Fähigkeiten, Erfahrung, Einstellung der Bediener usw.
- Method (Methode): Arbeitsabläufe, Bedienungsvorschriften, Prozessparameter usw.
- Machine (Maschine): Zustand, Präzision, Wartung von Geräten, Werkzeugen usw.
- Material: Qualität, Spezifikationen, Lieferanten von Rohmaterialien usw.
- Measurement (Messung): Messgeräte, Prüfstandards, Daten Genauigkeit usw.
- Milieu/Mother Nature (Umwelt): Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung, kulturelles Arbeitsumfeld usw.
-
Dienstleistungsbranche (4S- oder 8P-Modell):
- Suppliers (Lieferanten)
- Systems (Systeme)
- Skills (Fähigkeiten)
- Surroundings (Umgebung)
-
Marketing (8P-Modell):
- Product (Produkt)
- Price (Preis)
- Place (Platzierung)
- Promotion (Promotion)
- People (Menschen)
- Process (Prozess)
- Physical Evidence (Physische Evidenz)
- Productivity & Quality (Produktivität und Qualität)
4. Wie erstellt und verwendet man ein Fischgrätdiagramm?¶
Schritt Eins: Definieren des Problems (Fischkopf)¶
- Problem klären: Definieren Sie zunächst klar und konkret das zu analysierende Problem. Zum Beispiel: „Die Kundenzufriedenheit ist in diesem Quartal um 15 % gesunken.“
- Fischkopf zeichnen: Zeichnen Sie auf der rechten Seite einer Tafel oder eines Blattes ein Feld, schreiben Sie das Problem hinein und ziehen Sie eine horizontale Linie (Rückenflosse) nach links.
Schritt Zwei: Bestimmung der Hauptursachenkategorien (Hauptgräten)¶
- Auswahl eines Klassifizierungsmodells: Wählen Sie je nach Art des Problems ein geeignetes Klassifizierungsmodell (z. B. 6M für die Fertigung).
- Hauptgräten zeichnen: Zeichnen Sie mehrere diagonale Linien oberhalb und unterhalb der Rückenflosse als Hauptgräten und beschriften Sie jeden Hauptgraten mit dem Namen der Kategorie (z. B. „Manpower“, „Maschine“, „Methode“ usw.).
Schritt Drei: Brainstorming und Identifizierung spezifischer Ursachen (Untergräten/Kleine Gräten)¶
- Teamdiskussion: Versammeln Sie relevante Teammitglieder und führen Sie Brainstorming-Runden zu jeder Hauptkategorie durch.
- Fragen zur Orientierung: Sie können die 5-Warum-Methode einsetzen, indem Sie wiederholt die Frage „Warum passiert das?“ stellen, um tiefere Ursachen zu erkennen.
- Beispiel: Unter dem Hauptgraten „Manpower“ könnten Sie fragen: „Warum hat der Bediener einen Fehler gemacht?“ -> „Weil die Schulung unzureichend war.“ -> „Warum war die Schulung unzureichend?“ -> „Weil es kein standardisiertes Schulungsmaterial gab.“
- Untergräten/ kleine Gräten zeichnen: Verbinden Sie die durch die Diskussion identifizierten spezifischen Ursachen als Untergräten oder kleine Gräten mit dem entsprechenden Hauptgraten.
Schritt Vier: Analyse und Bestimmung der Schlüsselursachen¶
- Überprüfung des Fischgrätdiagramms: Sobald alle möglichen Ursachen aufgelistet sind, überprüft das Team gemeinsam das gesamte Diagramm.
- Identifizierung der Schlüsselursachen: Identifizieren Sie durch Diskussion, Abstimmung oder einfache Datenvalidierung die Schlüsselursachen (oder Wurzelursachen), die den größten Einfluss auf das Problem haben und am wahrscheinlichsten sind. Markieren Sie diese mit Kreisen oder Sternen.
Schritt Fünf: Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen¶
- Aktionsplan erstellen: Erstellen Sie konkrete und umsetzbare Verbesserungsmaßnahmen und Aktionspläne für die identifizierten Schlüsselursachen.
5. Praxisbeispiel: Analyse von „Die Kompilierzeit des Softwarecodes ist zu lang“¶
graph TD
subgraph Software Compilation Time is Too Long
direction LR
subgraph Manpower
A[Lack of concurrent programming experience]
B[Inconsistent code style]
end
subgraph Method
C[Incremental compilation not used]
D[Sequential build process]
end
subgraph Machine
E[Low build server configuration]
F[High network latency, slow dependency fetching]
end
subgraph Material (refers to code and dependencies here)
G[Introduced large third-party libraries]
H[Circular dependencies between modules]
end
subgraph Measurement
I[No compilation time monitoring]
end
subgraph Environment
J[Inconsistent development tool versions]
end
A & B --> Manpower
C & D --> Method
E & F --> Machine
G & H --> Material
I --> Measurement
J --> Environment
Manpower & Method & Machine & Material & Measurement & Environment --> K{ }
K -- Spine --> L[Problem:
Software Compilation Time is Too Long]
end
style L fill:#f9f,stroke:#333,stroke-width:2px
Analyse und Schlussfolgerung: Durch die obige Analyse könnte das Team feststellen, dass „geringe Serverkonfiguration“, „keine inkrementelle Kompilierung“ und „kreuzweise Abhängigkeiten zwischen Modulen“ die drei am meisten Einfluss nehmenden Schlüsselursachen sind. Daraufhin können entsprechende Pläne für Hardware-Upgrade und technische Neustrukturierung entwickelt werden.
Das Fischgrätdiagramm ist ein flexibles und mächtiges Werkzeug, das umfassendes Denken fördert und Teams dabei hilft, in komplexen Situationen den Überblick zu behalten und effektive Lösungswege zu finden.