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Nutzer-Persona

In jedem nutzerzentrierten Designprozess stellt sich immer wieder die zentrale Frage: Für wen genau entwerfen wir eigentlich? Wenn Teammitglieder nur eine vage, einseitige oder sogar widersprüchliche Vorstellung von den Zielgruppen haben, können Produktentscheidungen leicht in die falsche Richtung laufen. Die Nutzer-Persona ist ein mächtiges Werkzeug, um dieses Problem zu lösen. Es handelt sich dabei nicht um eine einfache Benutzerbeschreibung, sondern um ein glaubwürdiges, fiktionales Charaktermodell, das eine spezifische Benutzergruppe repräsentiert und sorgfältig anhand realer Nutzerforschungsdaten erstellt wird.

Der grundlegende Zweck einer Nutzer-Persona besteht darin, abstrakte, kalte Nutzerdaten in eine „konkrete Person“ mit Namen, Gesicht, Geschichte und Emotionen zu verwandeln. Dadurch kann das Design-Team wirklich „in die Welt des Nutzers hineinschlüpfen“ und auf der Grundlage von Empathie fundiertere Designentscheidungen treffen.

Bestandteile einer Nutzer-Persona

Eine detaillierte und empathische Nutzer-Persona umfasst typischerweise die folgenden Schlüsselbestandteile, die gemeinsam eine mehrdimensionale Figur abbilden.

  • Grundlegende Informationen & Foto: Geben Sie der Persona einen realistischen Namen, ein glaubwürdiges Foto und grundlegende demografische Informationen wie Alter, Beruf und Wohnort. Dies erhöht das Gefühl der Authentizität und Zugänglichkeit der Persona erheblich.
  • Zitat: Verwenden Sie einen Satz, den diese fiktive Person sagen könnte, um ihre Kernbedürfnisse oder Einstellungen prägnant zusammenzufassen. Beispiel: „Ich brauche ein Tool, das die Teaminformationen zusammenführt und es mir erlaubt, jederzeit den Fortschritt im Blick zu behalten.“
  • Ziele: Dies ist das Herzstück der Persona. Es beschreibt die primären Ziele, die die Benutzergruppe beim Einsatz des Produkts oder der Dienstleistung erreichen möchte. Die Ziele sollten sich auf den Nutzer selbst beziehen, nicht auf Produktfunktionen.
  • Frustrierende Punkte / Probleme: Beschreibt die wichtigsten Hindernisse, Verwirrungen und Frustrationen, mit denen der Nutzer derzeit konfrontiert ist, um seine Ziele zu erreichen. Der Kernwert eines Produkts liegt oft darin, diese Probleme effektiv zu lösen.
  • Verhalten: Beschreibt die alltäglichen Verhaltensmuster des Nutzers, insbesondere in Bezug auf das Produkt. Wie arbeitet er? Welche Tools nutzt er? Über welche Kanäle bezieht er Informationen? Dies hilft, den Anwendungskontext des Produkts zu verstehen.
  • Motivationen: Erforscht die tiefgreifenden psychologischen Faktoren, die das Nutzerverhalten antreiben. Es könnte die Suche nach Effizienz, das Verlangen nach Sicherheit, das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung oder der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung sein.

Vorlage für eine Nutzer-Persona

Untenstehend ist eine typische Struktur für eine Nutzer-Persona dargestellt, die je nach Projekt angepasst werden kann.

graph TD
    subgraph Persona Li Jing (Projektmanagerin)
        direction LR
        subgraph Grundlegende Informationen
            A["<b>Foto</b><br/><img src='https://i.pravatar.cc/150?img=12' width='100'/>"]
            B["<b>Li Jing, 32</b><br/>Projektmanagerin, Internetbranche<br/>Verheiratet, ein Kind<br/><i>„Ich brauche ein Tool, das die Teaminformationen zusammenführt und es mir erlaubt, jederzeit den Fortschritt im Blick zu behalten.“</i>"]
        end
        subgraph Kerneigenschaften
            C["<b>Ziele</b><br/>- Projekte termingerecht und in hoher Qualität liefern<br/>- Teammitglieder auf demselben Stand halten und die Kommunikation flüssig gestalten<br/>- Fortschritt schnell und präzise gegenüber der Führungsebene berichten"]
            D["<b>Frustrierende Punkte</b><br/>- Informationen sind in E-Mails, WeChat und verschiedenen Dokumenten verstreut, sodass sie schwer auffindbar sind<br/>- Echtzeit-Tracking des tatsächlichen Fortschritts und der Engpässe einzelner Teil-Aufgaben ist schwierig<br/>- Viele Stunden täglich werden in ineffiziente Abstimmungstreffen investiert"]
            E["<b>Verhalten</b><br/>- Als erstes am Morgen prüft sie das Projektboard und ungelesene Nachrichten<br/>- Gewohnt, Kalender, To-Do-Listen und Tabellenkalkulation gleichzeitig zur Arbeitsorganisation zu nutzen<br/>- Muss häufig Ressourcen zwischen verschiedenen Abteilungen koordinieren"]
            F["<b>Motivationen</b><br/>- Starkes Verantwortungsbewusstsein, das nach Kontrolle über Projekte strebt<br/>- Wünscht sich eine ausgewogene Work-Life-Balance und weniger unnötige Überstunden<br/>- Erreicht durch erfolgreiche Projektumsetzungen Anerkennung durch Team und Führungskräfte"]
        end
    end

Wie man effektive Nutzer-Personas erstellt

Die Erstellung von Nutzer-Personas ist ein Forschungsprozess, der sich von Divergenz zu Konvergenz bewegt, und keinesfalls das Ergebnis von Spekulationen.

  1. Nutzerforschung durchführen Dies ist die Grundlage des gesamten Prozesses. Es müssen Erstinformationen über reale Nutzer durch qualitative Methoden (z. B. tiefergehende Interviews, Feldstudien) und quantitative Methoden (z. B. Umfragen, Produkt-Backend-Datenanalyse) gesammelt werden.

  2. Schlüsselverhaltensvariablen identifizieren In den gesammelten Daten sollten nach Schlüsselvariablen gesucht werden, die verschiedene Nutzergruppen unterscheiden können. Für eine E-Commerce-Website könnten beispielsweise die „Kaufhäufigkeit“, „Preissensibilität“ und „Markentreue“ solche Variablen sein.

  3. Cluster bilden und Anzahl der Personas festlegen Basierend auf den Schlüsselvariablen werden Nutzer mit ähnlichen Verhaltensweisen und Zielen zu verschiedenen Nutzergruppen zusammengefasst. In der Regel ist es für ein Produkt angemessen, 3–5 Kernnutzergruppen auszuwählen, um entsprechende Nutzer-Personas zu erstellen. Zu viele Personas führen dazu, dass das Team den Fokus verliert.

  4. Persona-Geschichte schreiben Für jede Nutzergruppe wird eine repräsentative fiktive Person erschaffen. Geben Sie ihr einen Namen, ein Foto und eine lebendige Geschichte. Füllen Sie die verschiedenen Module der Persona-Vorlage mit Forschungsdaten und Erkenntnissen, um sie lebendig werden zu lassen.

  5. Innerhalb des Teams verbreiten und anwenden Der Wert von Nutzer-Personas liegt in ihrer Nutzung. Drucken Sie die fertigen Personas aus, hängen Sie sie im Teamarbeitsraum auf und beziehen Sie sie häufig in Produktmeetings, Design-Reviews und Feature-Diskussionen ein („Wie würde Li Jing diese Funktion nutzen?“). Machen Sie sie zu einer gemeinsamen Sprache und einem Maßstab für Entscheidungen.

Nutzer-Personas in der Praxis

Fallbeispiel 1: Eine Sprachlern-App

  • Persona: „Berufspendler-Lerner“ Sun Yu, 28, Marketing-Spezialist. Er möchte die zerstückelte Zeit während seiner täglichen U-Bahnfahrt nutzen, um Englisch zu lernen.
  • Problemstellen: Die U-Bahn-Umgebung ist laut und das Netzsignal instabil, sodass es schwierig ist, sich auf Lerninhalte mit hohem Konzentrationsbedarf oder auf Sprech- und Hörübungen zu konzentrieren.
  • Designentscheidung: Auf Grundlage dieser Persona sollte die App Priorität auf Funktionen wie „Offline-Kurs-Download“, „5-Minuten-Kurzwissen“ und einen Lernmodus legen, der sich auf Lesen und Vokabeln konzentriert.

Fallbeispiel 2: Eine Familienrezept-App

  • Persona: „Junge Mutter“ Chen Jie, 30. Sie möchte für ihre Familie (insbesondere mit Kleinkind) gesunde, nahrhafte und einfache Abendessen zubereiten.
  • Problemstellen: Durch die Arbeit ist sie sehr beschäftigt, hat kaum Zeit, komplexe Rezepte zu studieren, und sorgt sich sehr um Lebensmittelsicherheit und eine ausgewogene Ernährung.
  • Designentscheidung: Die Startseite der App sollte Bereiche wie „Schnelle Mahlzeiten in 30 Minuten“, „Ernährungsreiche Gerichte für Kinder“ und „Saisonales Gemüse“ hervorheben. Zudem sollten Zubereitungszeit, Schwierigkeitsgrad und Nährwertinformationen in den Rezepten klar gekennzeichnet sein.

Fallbeispiel 3: Eine Finanzverwaltungssoftware

  • Persona: „Sparsamer Planer“ Onkel Wang, 55, kurz vor der Pensionierung. Er möchte seine finanzielle Situation klar verstehen und stabile Pläne für sein Ruhestandleben erstellen.
  • Problemstellen: Er fühlt sich von komplexen Finanzbegriffen und risikoreichen Investitionen verwirrt und unsicher, und empfindet viele Finanz-Apps als zu kompliziert in der Bedienung.
  • Designentscheidung: Das Interface-Design der Software sollte äußerst einfach und klar sein, verständliche Sprache verwenden und Funktionen wie „Übersicht der Vermögenswerte“, „Monatliche Fixkosten/Einnahmen“ und „Empfehlungen für risikoarme Investitionen“ hervorheben.

Wert und Herausforderungen von Nutzer-Personas

Kernwert

  • Empathie aufbauen: Es ist das beste Werkzeug, um Designer und Entwickler aus ihrer eigenen Perspektive herauszulösen und in den Kontext des Nutzers hineinzubringen.
  • Einheitliche Entscheidungssprache schaffen: Stellt bei Meinungsverschiedenheiten ein objektives, nutzerzentriertes Schiedsmaß für das Team bereit.
  • Auf die Kernbedürfnisse konzentrieren: Hilft dem Team dabei, wirklich wichtige Funktionen zu identifizieren und unter einer Vielzahl komplexer Anforderungen Prioritäten zu setzen.

Mögliche Herausforderungen

  • Forschungsaufwand: Die Erstellung hochwertiger Nutzer-Personas erfordert Investitionen in echte Nutzerforschung, was Zeit und Budget kostet.
  • Gefahr der „Stereotypisierung“: Wenn die Forschung unzureichend ist oder das Verständnis einseitig bleibt, kann dies dazu führen, falsche, stereotypische Personas zu erstellen, die das Produkt in die falsche Richtung lenken.
  • Aktualität: Nutzer und Märkte verändern sich ständig, und auch Nutzer-Personas müssen regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, sonst werden sie zu „lebenden Fossilien“.

Erweiterungen und Verbindungen

Nutzer-Personas sind ein zentraler Bestandteil des UX-Design-Toolkits und werden oft eng mit anderen Methoden kombiniert: * Nutzerreiseplan (User Journey Map): Nachdem „wer“ (die Nutzer-Persona) geklärt ist, beschreibt die Nutzerreise detailliert den gesamten Prozess, wie diese Person mit dem Produkt interagiert, um ihr Ziel zu erreichen. * Empathie-Map: Dies ist ein Werkzeug, das sich stärker auf die tiefe Erforschung der sensorischen und emotionalen Erlebnisse des Nutzers konzentriert. Es wird häufig in frühen Phasen der Persona-Erstellung für Sammlung von Materialien und Empathie-Übungen verwendet.


Referenz: Alan Cooper stellte in seinem wegweisenden Buch „About Face: The Essentials of Interaction Design“ erstmals die Nutzer-Persona als formelle Designmethode im Softwareentwicklungsprozess vor.